Ein Roman von Numi Teusch
Werbung | Rezensionsexemplar
Transparenzhinweis: Dieses Buch wurde mir von Numi Teusch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst. Wie bei allen Reise-Reads bewerte ich ehrlich, was mir gefallen hat, was mir weniger gefallen hat und für wen ich das Buch empfehlen würde.
Bereits der erste Band von Numi Teusch hat mich begeistert. Ich mochte die Mischung aus Spannung, lokaler Kultur und den kleinen Alltagsbeobachtungen, die Teneriffa lebendig werden lassen.
„Teneriffa – Lichter und Schatten“ durfte mich dieses Mal direkt auf meiner Reise begleiten. Einen Großteil habe ich an meinem Pool-Tag im Hotel gelesen, die letzten Kapitel schließlich am Flughafen und auf dem Flug von Teneriffa nach Marokko.
Und ich glaube, genau das war der perfekte Ort für dieses Buch.
Kurzinhalt (spoilerfrei)
Zwischen schiffbrüchigen Flüchtlingen aus Afrika wird vor der Küste Teneriffas eine Leiche entdeckt, die nicht so ganz zu den übrigen Menschen auf dem Boot zu passen scheint.
Commissario Bentagay de las Casas übernimmt die Ermittlungen. Schnell entwickelt sich ein komplizierter Fall, bei dem unterschiedlichste Interessen aufeinandertreffen. Nicht gerade einfacher wird die Situation dadurch, dass sein Privatleben – insbesondere seine Beziehung zu Evelyn – immer wieder mit den Ereignissen verflochten wird.
Doch der Kriminalfall bildet nur den Rahmen für eine Geschichte, die weit über klassische Ermittlungsarbeit hinausgeht. Numi Teusch greift zahlreiche Themen auf, die das heutige Teneriffa prägen: Migration über die Atlantikroute, Klimawandel, Naturschutz, Tourismus, Korruption und die Frage, wie all diese Entwicklungen das Leben der Menschen auf der Insel beeinflussen.
Dabei bleibt das Buch angenehm lesbar und verliert nie aus den Augen, dass die Geschichte vor allem unterhalten möchte.
Was mir besonders gefallen hat
Das Tempo
Im Vergleich zum ersten Band hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte noch etwas detaillierter erzählt wird. Gleichzeitig empfand ich das Erzähltempo als sehr angenehm.
Es gibt genügend Spannung, um weiterlesen zu wollen, aber auch genügend ruhige Momente, um die Atmosphäre Teneriffas auf sich wirken zu lassen.
Musik als roter Faden
Ein kleines Detail, das mir besonders gefallen hat, ist die Rolle der Musik.
Musik spielt in beiden Teneriffa-Romanen eine besondere Rolle. Im ersten Band greifen die Studierenden immer wieder Lieder auf, während in „Teneriffa – Lichter und Schatten“ jedes Kapitel mit einem kurzen Ausschnitt aus einem Liedtext beginnt.
Passend dazu hat Numi Teusch für beide Bücher eigene Spotify-Playlists erstellt (Du findest sie hier: Spotify Profil – Numi Teusch). Wer die Atmosphäre der Romane über das Lesen hinaus erleben möchte, kann die Geschichten damit auch musikalisch begleiten.
Aktuelle Themen ohne erhobenen Zeigefinger
Besonders gelungen finde ich, dass Teusch gesellschaftliche Themen nicht einfach abhakt, sondern natürlich in die Handlung einfließen lässt.
Klimawandel, Naturschutz, die Herausforderungen des Tourismus, die Situation von Flüchtlingen und Korruption werden angesprochen, ohne dass der Roman zu einem Sachbuch wird.
Eine Szene hat mich besonders zum Lachen gebracht: Mitten in einem ausgesprochen romantischen Moment kann Evelyn nicht ignorieren, dass im Bad noch das Wasser läuft. Natürlich geht sie zurück und dreht es ab.
Keine Stunde zuvor habe ich meinen Müll zu den Containern neben dem Hotel gebracht, da ich nicht sicher bin, ob in meinem Hotel getrennt wird. In diesem Moment dachte ich nur: Evelyn und ich würden uns vermutlich ziemlich gut verstehen.
Ben als Figur
Zum ersten Band habe ich geschrieben, dass ich glaube, dass der Konflikt im Commissario noch etwas greifbarer hätte werden können. In diesem Band lernen wir ihn etwas besser kennen, genau wie Evelyn.
Dieses „gemeinsame Kennenlernen“ ist meiner Meinung sehr gut gelungen und ich freue mich darauf, dass es in den nächsten Bänden weitergeht!
Teneriffa zwischen den Buchseiten
Was mir dieses Mal besonders aufgefallen ist: Ich hatte das Gefühl, dass deutlich mehr konkrete Orte auf Teneriffa genannt werden.
Vielleicht stimmt das tatsächlich. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich die Insel inzwischen besser kenne.
Besonders gefreut habe ich mich über die Erwähnung von El Médano. Dort wollte ich bei meiner ersten Teneriffa-Reise auf dem Weg zum Flughafen den Sonnenaufgang erleben (leider war ich zu spät).
Noch schöner war das Gefühl in Santa Cruz.
Bei diesem Aufenthalt habe ich das MUNA besucht und bin durch Teile der Stadt gelaufen. Als im Buch der Carnaval de Santa Cruz erwähnt wird, konnte ich mir die Atmosphäre viel besser vorstellen.
Santa Cruz fühlt sich für mich ein bisschen wie ein Leipzig in Spanien an. Lebendig und urban, deutlich geschäftiger als mein heißgeliebtes Puerto de la Cruz, aber nicht ganz so groß und überwältigend wie Berlin.
Genau das macht für mich den Reiz von Reise-Reads aus.
Ein Buch verändert den Blick auf einen Ort.
Und Reisen verändern den Blick auf ein Buch.
Mein persönlicher Reise-Reads-Moment
Die letzten Kapitel habe ich gelesen, als ich Teneriffa bereits verlassen hatte.
Eigentlich sollte ich mich auf Marokko freuen. Stattdessen stellte sich ein Gefühl ein, das ich am besten als Heimweh beschreiben kann.
Ich dachte an Puerto de la Cruz, an Santa Cruz, an die Busfahrten über die Insel, an kleine Cafés, an die Atlantikküste und an all die Orte, die ich inzwischen mit eigenen Erinnerungen verbinde.
Ich glaube, das ist das größte Kompliment, das ich einem Reise-Read machen kann.
Dieses Buch hat mir Fernweh nach Teneriffa gemacht, obwohl ich teilweise noch am Flughafen saß.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es noch einmal lesen werde. Wahrscheinlich an einem kalten Berliner Winterabend, wenn es draußen früh dunkel wird und ich ein kleines bisschen Wärme zurückhaben möchte.
Gibt es Kritik?
Meine einzige kleine Einschränkung hängt weniger mit der Qualität des Romans als mit meinen persönlichen Erwartungen an einen Reise-Read zusammen.
Themen wie Klimawandel, Naturschutz, Migration, problematisches Verhalten einzelner Tourist:innen und Korruption werden zwar immer wieder aufgegriffen, stehen aber nicht im Mittelpunkt der Geschichte. Da ich Bücher über meine Reiseziele besonders gerne nutze, um mehr über einen Ort und seine aktuellen Herausforderungen zu erfahren, hätte ich mir an manchen Stellen noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Gleichzeitig wäre eine stärkere Gewichtung dieser Themen möglicherweise zulasten des Romans gegangen. Als fiktive Geschichte empfinde ich die Balance deshalb als ausgesprochen gelungen: Die Probleme der Insel werden sichtbar, ohne dass der Kriminalfall von ihnen überlagert wird oder das Buch belehrend wirkt. Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, aber immer wieder kleine Anstöße, genauer hinzusehen.
Für mich ist „Teneriffa – Lichter und Schatten“ daher weniger ein klassischer Kontext-Read als ein wunderbarer Beach- beziehungsweise Pool-Read mit gesellschaftlichem Mehrwert. Das Buch lässt sich leicht und angenehm lesen, bleibt dabei aber nicht völlig an der Oberfläche. Genau wie der erste Band eignet es sich hervorragend als Reisebegleitung – und mir persönlich hat dieser zweite Band sogar noch besser gefallen.
Mein Fazit
„Teneriffa – Lichter und Schatten“ ist für mich mehr als ein Kriminalroman.
Es ist ein Buch über eine Insel mit all ihren schönen und schwierigen Seiten. Über Menschen, die sich um ihre Heimat sorgen. Über Natur, Verantwortung und die Frage, wie unterschiedliche Lebenswelten aufeinanderprallen.
Vor allem aber ist es für mich ein Reise-Read im besten Sinne – Nicht, weil es Teneriffa erklärt, sondern weil es mir geholfen hat, die Insel noch einmal mit anderen Augen zu sehen.
Für wen ist das Buch geeignet?
Empfehlenswert für:
- Teneriffa-Fans,
- Leserinnen und Leser von Regionalkrimis,
- Menschen, die aktuelle gesellschaftliche Themen in Romanen mögen,
- Urlauber, die eine passende Strandlektüre für die Kanaren suchen,
Eher nicht geeignet für:
- Fans von extrem actionreichen Thrillern,
- Leser, die gesellschaftliche Themen komplett aus ihrer Unterhaltungsliteratur heraushalten möchten.
Zur Rezension des ersten Bandes: „Die dunkle Seite der Insel„.


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